CHRONIK

Wie alles begann …

von Arnulf Lechner, ergänzt durch Volker Hörner

Als in den Jahren 1912/13 die Mörlheimer Pfarrkirche umgebaut wurde, fanden die Sonntagsgottesdienste im Parkgelände der Familie Kaspar Detzel statt. Dabei wurden „die Gesänge mit Begleitung der Musikkapelle des katholischen Arbeitervereins“ gesungen. Das ist ein früher Hinweis auf das Bestehen einer Musikkapelle in Mörlheim. Pfarrer Eugen Kempf, der 1911 nach Mörlheim gekommen war, gilt als der Gründer der „Katholischen Kultuskapelle Mörlheim“.

Zehn junge Mörlheimer beider Konfessionen hielten 1911 in der früheren Gastwirtschaft „Zur Rose“ unter der Leitung von Pfarrer Eugen Kempf ihre erste Musikstunde ab. Erster Vorstand war Philipp Anton, von 1908 bis zu seinem Tod im Jahre 1913 Bürgermeister von Mörlheim.

Die Katholische Kultuskapelle hatte es sich zur Aufgabe gemacht, das geistliche und weltliche Musikgut zu pflegen und dafür zu werben, sowie bei örtlichen und überörtlichen Veranstaltungen mitzuwirken. Neben der Mitwirkung an kirchlichen Festen nahm die Kapelle regelmäßig an fast allen weltlichen Veranstaltungen im Ort teil. Unterbrochen wurde die musikalische Tätigkeit dann während einiger Jahre im Ersten und im Zweiten Weltkrieg.

Mitglieder aus den Gründerjahren um 1911
Mitglieder aus den Gründerjahren um 1911

Die Reaktivierung im Jahre 1947 kam einer Neugründung gleich. Musikfreudige junge Männer wurden angesprochen und ihnen die Möglichkeit geboten, ein Instrument zu erlernen. Initiator war wieder der Ortsgeistliche, diesmal Pfarrer Eugen Engler, der ein Jahr später Mörlheim verließ. Auf Wunsch von Pfarrer Engler nahm Oswald Seither die Sache „richtig in die Hand“ und begeisterte zwölf junge Mörlheimer für die Blasmusik. Unter der Leitung von Ferdinand Kempter übten sie zunächst im früheren Gasthaus „Zum Pflug“. Später fanden die Musikstunden Sonntag morgens nach dem Gottesdienst in einem Schulsaal der alten Schule, in der heutigen Ortsverwaltung, statt. Am 19. Mai 1948 konnte der neue Pfarrer Ludwig Müller musikalisch begrüßt werden.

Dem Können und dem großen Engagement von Ferdinand Kempter verdankte es die Kapelle, dass sie bereits 1948 zu kirchlichen und weltlichen Anlässen aufspielen konnte. In den folgenden Jahren wirkte die Kapelle auch bei überörtlichen Veranstaltungen mit.

Wiedergründung 1947
Wiedergründung 1947

Ende 1951 trat der erste Vorsitzende Oswald Seither von seinem Amt zurück. Zu seinem Nachfolger wählten die Mitglieder Willi Stopfer und ernannten Oswald Seither wegen seiner großen Verdienste zum Ehrenmitglied. Als eine seiner ersten Amtshandlungen „verlegte“ Willi Stopfer die Musikstunden in den Saal der Gaststätte „Zum Ochsen“.

1954 auf der Mörlheimer Haupstrasse
1954 auf der Mörlheimer Haupstrasse

In den 60er Jahren schied Ferdinand Kempter, der viel zum Wiederaufbau beigetragen hatte, altershalber und wegen gesundheitlicher Probleme als Dirigent aus. Die Nachfolge trat Rudi Bendel aus Queichheim an. Der Dirigentenwechsel brachte frischen Wind in die Kapelle. Unter der Leitung von Rudi Bendel wurde 1972 eine Jugendkapelle gegründet, die zeitweise auch von Jakob Winstel und von Günter Lochbaum geleitet wurde. Nach acht Jahren löste sich die Jugendkapelle jedoch auf.

Erfreulich war, dass einige Jungmusiker sich der Kultuskapelle anschlossen. Nach fast zwei Jahrzehnten erfolgreicher Vorstandsarbeit stellte sich Willi Stopfer nicht mehr zur Wahl und wurde wie sein Vorgänger zum Ehrenmitglied ernannt. Sein Nachfolger wurde der aktive Musiker Rudi Ohmer. Wegen der Verlegung der Musikstunde von donnerstags auf mittwochs musste wegen dem Ruhetag der Gaststätte „Zum Ochsen“ die Übungsstunden vorübergehend in den Pfarrsaal verlegt werden, ehe man im Jahr 1990 wieder zur Gastwirtfamilie Köbel-Hörner zurückkehrte. Die auswärtigen Musiker drängten auf eine Verlegung der Musikstunde auf Freitag, die bis in die heutige Zeit an diesem Tage abgehalten wird.

aktive Mitglieder 1980

aktive Mitglieder 1980

Im Jahre 1978 trat Rudi Bendel nach fast 20jähriger Dirigententätigkeit aus gesundheitlichen Gründen zurück. Er wurde aufgrund seines großen Engagements zum Ehrenmitglied ernannt. Sein Nachfolger Egon Hoffmann wurde vier Jahre später von Franz Martin abgelöst. Unter dessen Leitung feierte die Kultuskapelle 1986 ihren 75. Geburtstag.

Zahlreiche Kapellen von außerhalb, sowie die örtlichen Gesangsvereine wirkten bei dem Jubiläum mit. Das Fest fand bei der Bevölkerung großen Zuspruch. Nachdem der erste Vorsitzende Rudi Ohmer 1987 nicht mehr kandidierte, wurde der bisherige Schriftführer Volker Hörner sein Nachfolger und Rudi Ohmer wegen seiner Verdienste zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Volker Hörner legte nach zwei Jahren sein Amt nieder. Ihm folgte Franz Martin, der nun in Personalunion den Vorsitz und das Dirigentenamt innehatte.

Jubilare 1986
Jubilare 1986

Im Jahre 1990 kam es zu einer Krise innerhalb des Vorstandes, weshalb Franz Martin im August seine Ämter niederlegte. Auf Beschluss der restlichen Vorstandes übernahm der zweite Vorsitzende Thomas Bouquet die Vereinsführung. Als Dirigent konnte Frank Hofmeister gewonnen werden, der bis ins Jahr 2011 die Kapelle erfolgreich leitete.

Im Februar 1991 wählte die Generalversammlung Arnulf Lechner zu ihrem ersten Vorsitzenden. Es kehrte wieder Ruhe in den Verein ein.

Am 5. und 6. Juli 1997 feierte unser Musikverein mit einem großen Festprogramm ihr Jubiläum „50 Jahre Reaktivierung der Katholischen Kultuskapelle Mörlheim“. Das Fest war ein großer Erfolg und für alle Anlass, das geistliche und weltliche Musikgut weiter zu pflegen, es zu fördern und die Jugend dafür zu gewinnen. Dem Werben von Jungmusikern war, abgesehen von dem „Höhenflug“ in den 1970er Jahren, wenig Erfolg beschieden. Nun hatte es sich doch wieder gelohnt. Von vier begeisterten jungen Mörlheimerinnen wuchs unsere „Holzbläserabteilung“ auf zwischenzeitlich neun an. In den vergangenen Jahren konnte unser Verein immer wieder von Musikern der Stadtkapelle Landau und den „Pfälzer Elwetritsche Musikanten“ unterstützt werden. Nun war man in der Lage, den Großteil der Auftritte mit den eigenen Musikern zu bestreiten.

Das große Mörlheimer Dorfjubiläum stand im Kalenderjahr 2000 an. Alle Vereine und Organisationen sollten sich daran beteiligen. Für die 1200-Jahrfeier stellte und Familie Martin Mittenbühler ihr Anwesen für unseren Verein zur Verfügung. Im „Klosterhof“ konnten nun bis ins Kalenderjahr 2016 alle Veranstaltungen der Kultuskapelle durchgeführt werden.

Im Jahre 2004 dankte der bisherige Vorsitzende des Vereins Arnulf Lechner ab und wurde aufgrund seiner Verdienste zum Ehrenmitglied ernannt. Der Dirigent Frank Hofmeister übte in Personalunion das Amt des Vorsitzenden bis ins Jahr 2008 aus. Bernhard Lechner wurde für zwei Jahre von 2009 zum Vorsitzenden gewählt. Er dankte 2010 ab. Im Jahre 2007 veranstaltete die Katholische Kultuskapelle Mörlheim ihr erstes Konzert. Hierzu wurden extra Probewochenenden eingeführt, um die aufzuführenden Musikstücke entsprechend einüben zu können.

Es folgte eine schwierige Zeit für den Mörlheimer Musikverein, die in der Folgezeit bis 2012 von einer „Geschäftsführung“ von Volker Hörner, Martin Schimpf und Dieter Lange geführt wurde. In diese Zeit fiel unser 100-jähriges Vereinsjubiläum. Unser Dirigent Frank Hofmeister stellte in dem Jubiläumskonzert einen musikalischen Streifzug durch die Geschichte zusammen. Er verkündete seinen aktiven Abschied von der Katholischen Kultuskapelle Mörlheim und legte sein Amt des Dirigenten nieder. In der Folgezeit konnte man Martin Schimpf überreden, die musikalische Leitung des Mörlheimer Musikvereins zu übernehmen. Um die Musiker mehr an den Verein zu binden, organisierte die Führung des Vereins Fahrten in Freizeitparks sowie zu Musicals nach Hamburg und Berlin. Auch die Woodstock Festivals in Ort im Innkreis (Österreich) standen auf dem Programm.

Im Frühjahr 2013 kam das „Schiffchen“ Kultuskapelle wieder in ruhigere Fahrwasser. Ein gewählter Vorstand, an dessen Spitze bis zum heutigen Tage Volker Hörner steht, konnte unsere aktive Klarinettistin Karin Birkmeyer überreden, die musikalische Leitung des Vereins zu übernehmen. Sie hatte in der Zwischenzeit ihre Dirigentenprüfung mit gutem Erfolg abgeschlossen. Viele Neuerungen wurden eingeführt und der Verein steht wie vor langer Zeit wieder geordnet da. Viel Geld wurde in die Hand genommen, um das Probelokal aufzuhübschen, ein neues Logo angeschafft, die Homepage überarbeitet und die Außendarstellung des Vereins verbessert. Viele Auftritte auch außerhalb der Ortsgrenzen kamen hinzu. Bleibt zu hoffen, dass diese kulturelle Errungenschaft noch lange in Mörlheim erhalten bleibt, auf die viele Ortschaften im Umkreis neidisch sind.

Mörlheim, im Mai 2019